HIV-Therapie

Die heute zur Verfügung stehende hochaktive antiretrovirale Therapie (=HAART), salopp auch Kombinationstherapie genannt, besteht meist aus 3 oder 4 Substanzen. Ihr Ziel ist es die Konzentration der Viren im Blut (Viruslast oder viral load) und im gesamten Körper über möglichst lange Zeit so niedrig wie möglich zu halten, dadurch wird der Druck, den die Viren auf das Immunsystem ausüben verringert.
Das bedeutet: die richtige Einnahme kann die Zahl der HI-Viren sehr stark verringern, das Immunsystem wieder stärken, die Lebensqualität verbessern und die Lebenserwartung erhöhen. Der beste Beweis für den Erfolg der antiretroviralen Therapie ist die Senkung der Sterblichkeit von HIV-positiven Patienten seit Mitte der neunziger Jahre auf ein Zehntel. In Österreich verstarben seit Einführung der HAART ungefähr 800-1000 Menschen weniger an den Folgen von AIDS! Voraussetzung für den Erfolg einer Therapie ist allerdings die korrekte Einnahme der Substanzen. Medikamente, die nicht eingenommen werden, können natürlich auch nicht wirken. Ausserdem besteht bei nicht korrekter und nachlässiger Einnahme die Gefahr, dass resistente, das heisst auf die Therapie nicht mehr ansprechende Varianten des HI-Virus entstehen, und es so zu einem Therapieversagen kommt.
Die hochaktive antiretrovirale Therapie macht die HIV-Infektion behandelbar, kann sie aber nicht heilen!


Zurzeit stehen folgende Substanzgruppen zur Behandlung der HIV-Infektion zur Verfügung:

Nucleoside und nicht-nucleoside reverse Transkriptasehemmer hemmen die Umschreibung (Transkription) von Virus-RNA (Ribonukleinsäure) in Virus-DNA (Desoxyribonukleinsäure) und somit die Umschreibung der Viruserbsprache in die menschliche Erbsprache.

Proteasehemmer verhindern das Ausreifen der Virusproteine

Integrasehemmer verhindern den Einbau der Viruserbsubstanz in die menschliche Erbsubstanz im Zellkern.

CCR5-Hemmer hemmen CCR5 (Chemokinrezeptor-5), einen Korezeptor auf der Zelloberfläche unter anderem von CD4-Zellen, den das Virus zum Eindringen in die menschliche Zelle benötigt. Da allerdings nur ein Teil der HI-Viren den CCR5-Korezeptor zum Eindringen in die menschliche Zellen benötigen, muss vor Gabe dieser Substanz geprüft werden, ob die Viren dieser Subklasse entsprechen.

Fusionshemmer verhindern das Verschmelzen von Visusmembran und der Membran der menschlichen CD4-Zelle.


Im Gegensatz zu anderen Infektionskrankheiten wird die HIV-Infektion meist nicht sofort nach Diagnosestellung behandelt. Abhängig von regelmässig kontrollierten (im Regelfall alle 3 Monate) bestimmten Laborwerten (CD4-Helferzellen und der Viralload/Viruslast) wird ein Therapiebeginn empfohlen oder weiterhin abgewartet.
Die im Herbst 2007 veröffentlichten "Guidelines" der europäischen AIDS-Gesellschaft (European AIDS Clinical Society, www.eacs.eu) empfehlen abhängig von der Klinik und den Laborwerten des Patienten folgende Vorgangsweise:
1. Sofortiger Therapiebeginn bei symtomatischen Patienten (Auftreten von AIDS oder AIDS-assoziierten Erkrankungen)
2. Sofortiger Therapiebeginn, bei CD4-Zellen < 200, auch wenn sie beschwerdefrei sind
3. Empfohlener Therapiebeginn bei CD4-Zellen von 201-350, auch wenn sie beschwerdefrei sind
4. Therapie anbieten bei CD4-Zellen zwischen 351-500 und gleichzeitig andauernder hoher Viruslast über 100.000 copys/ml, bei raschen Absinken der CD4-Helferzellen (50-100/Jahr), bei Patienten über 55 Jahren oder einer gleichzeitigen Hepatitis-C-Infektion
5. Weitere Kontrollen, aber keine Therapie ist bei Patienten über 500 CD4-Zellen empfohlen
Diese Impfehlungen stellen Richtlinien dar, auf die der erfahrene HIV-Therapeut zurückgreifen kann. Sie ersetzen aber nicht die regelmässige persönliche Betreuung HIV-positiver Patienten bei Ihrem mit der HIV-Therapie erfahrenen Arzt!
Die Kosten der HAART werden vollständig von den österreichischen Sozialversicherungen übernommen. HIV-Medikamente (und nur diese) sind von der Rezeptgebühr befreit.

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